Kamerun | 2. Einsatz in der Yassa-Klinik, beim St. Jean de Dieu Orden
Mit rund 4,5 Millionen Einwohnern ist Douala die größte Stadt Kameruns. Das von den Brüdern des Ordens, darunter dem Direktor Bro Linus Wirnkar sehr gut vorbereitete Camp sollte eigentlich lediglich Klumpfussoperationen durchführen. Aufgrund des Bedarfs vor Ort wurden nach Rücksprache mit unserem Team vorwiegend Kinder und Jugendliche mit ausgeprägten Beinachs-Deformitäten (X- und O-Bein) und nur einige kindliche Klumpfusspatienten einbestellt.
Beinachs-Deformitäten - oft aufgrund von Vitamin D-Mangel, aber auch genetisch bedingt - stellen angesichts der Häufigkeit ein großes medizinisches und soziales Problem dar.
Durch ihre Behinderung erfahren die betroffenen Kinder und Jugendlichen ausgeprägte soziale Stigmatisierung und Mobbing in der Schule.
Kamerun, früher Deutsch Westafrika, befindet sich im Westen von Zentralafrika am Atlantik. Es besteht aufgrund der französischen und englischen Kolonialgeschichte seit seiner Unabhängigkeit 1960 je aus einem französisch und englisch sprechenden Teil, wobei es immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen diesen Gebieten kommt. Die Region Douala ist jedoch friedlich. Das Land liegt direkt oberhalb des Äquators und die klimatischen Bedingungen, unter denen wir gearbeitet haben, sind in dem tropischen Land mit Temperaturen bis 35 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit trotz klimatisiertem OP herausfordernd und anstrengend.
Die Vorbereitung durch den Chirurgen vor Ort Dr. Tima Serge Evangile in Vivo und seinen Nachfolger Dr.Tang waren sehr engagiert und hilfreich.
Der Einsatz war über Flyer und Plakate angekündigt worden, sodass wir nach komplikationsloser Anreise am 1. Tag das Screening der vorbestellten Patienten innerhalb eines Tages durchführen und den OP-Plan bis zum Abreisetag ausfüllen konnten. Einige Patienten mussten auf den nächsten Einsatz vertröstet werden. Die Mitarbeiter im Hospital sind in der Regel zweisprachig, sodaß eine Verständigung gut möglich war. Hilfreich waren für das Patientenscreening, die Gespräche und Aufklärung der Angehörigen und die spätere Betreuung der kleinen Patienten die Französischkenntnisse von fast allen Teammitgliedern. Das OP-Personal vor Ort war sehr engagiert und gut ausgebildet, die hygienischen Voraussetzungen im OP waren gut. Störend waren allenfalls die häufigeren Stromausfälle vor allem in der 2. Arbeitswoche.
Erfreulicherweise hatte des Hospital auch als Ausdruck seines großen Interesses an weiteren Einsätzen ein neues komfortables Gästehaus mit 7 Zimmern, Aufenthalts- und Speiseraum auf dem Krankenhausgelände errichtet und kurz vor unserer Ankunft in Betrieb genommen. Für die gute und reichliche Verpflegung war für uns extra eine Köchin eingestellt worden. Die Betreuung unserer Zimmer mit Reinigung und Wäschewechsel erfolgte durch einen Bruder des Ordens. Insgesamt können wir diese Unterstützung unseres Einsatzes durch das Hospital nur als hervorragend bezeichnen.
Wir konnten insgesamt 28 Operationen bei 27 Patienten vornehmen. Es handelte sich um Weichteileingriffe kombiniert mit knöchernen Korrekturen bei sog. umgekippten Klumpfüssen (6), um Beinachskorrekturen bei X- und O-Beinen mit partiellen Epiphysiodesen (Blockierung der Wachstumsfugen) mit Platten und Schrauben, um eine Achskorrektur durch das weitere Längenwachstum zu erzielen und bei älteren Kindern/Jugendlichen Osteotomien mit Achskorrektur an Ober- und Unterschenkel mit Kirschnerdraht-, Platten- und Schraubenosteosynthesen (ingesamt 20) und 2 Spitzfusskorrekturen.
Der Einsatz verlief auch aufgrund der vorhandenen Einsatzerfahrung aller Teammitglieder komplikationslos, harmonisch und zeichnete sich durch eine sehr gute, enge Zusammenarbeit aus. In der Abschlussbesprechung mit Bro Linus betonte der Direktor der Klinik immer wieder das große Interesse an weiteren Einsätzen auch mehrmals im Jahr. Der Bedarf sei sehr groß. Es besteht auch ein großes Interesse an gynäkologischen (Fisteloperationen) und plastischen Operationen bei den häufigen Verbrennungen. Man wünsche eine engere Zusammenarbeit mit Interplast.
Abschließend möchte ich allen Mitgliedern des reinen Männer-Teams für die engagierte und immer positive Arbeit herzlich danken. Insgesamt war es ein erfolgreicher Einsatz und neue Einsätze, auch mit anderen Teams, werden ausdrücklich empfohlen.